Was steckt dahinter?
Im Mittelpunkt stehen Körper und Alltag: Wir beobachten, welche Bewegungen und Wahrnehmungsleistungen eine gewünschte Tätigkeit erleichtern oder erschweren, und üben diese möglichst alltagsnah. Je nach Anliegen kann die Therapie das Anbahnen und Wiederholen funktioneller Bewegungen, den Umgang mit einer betroffenen Seite, Gleichgewicht und Transfers oder die Planung konkreter Alltagsschritte umfassen.
Gemeinsam können wir auch Hilfsmittel, Arbeitsplatz und Wohnumgebung betrachten, damit Tätigkeiten sicherer und praktikabler werden. Angehörige erhalten verständliche Informationen und können Strategien für die Unterstützung zu Hause kennenlernen.
Geeignet sein kann der Ansatz unter anderem nach Schlaganfall, bei Schädel-Hirn-Verletzungen, Multipler Sklerose oder anderen neurologischen Erkrankungen mit Bewegungs- und Aktivitätsproblemen. Ob Bobath-Elemente passend sind, klären wir individuell; eine Überlegenheit gegenüber anderen Verfahren ist nicht belegt.
Schwerpunkte des Konzeptes
- Alltagsnahe Bewegungs- und Handlungsschritte, etwa Anziehen, Essen, Greifen und Umsetzen
- Körperwahrnehmung, Haltung, Gleichgewicht und Einbezug der betroffenen Seite
- Angehörigenaufklärung zu sicherer, dosierter Unterstützung im Alltag
- Prüfung von Hilfsmitteln sowie Anpassung von Wohn-, Arbeits- oder Versorgungssituationen
Für wen kann das geeignet sein?
Die folgenden Beispiele dienen der Orientierung. Ob dieser Rahmen zu Ihnen passt, wird persönlich und unter Berücksichtigung der medizinischen Situation geklärt.
- Aktivitäts- und Teilhabeprobleme nach Schlaganfall oder Hirnblutung
- Bewegungs-, Koordinations- oder Wahrnehmungsprobleme nach Schädel-Hirn-Verletzungen
- Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose mit Einschränkungen im Alltag
- Andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei denen alltagsbezogene Unterstützung sinnvoll erscheint
So können Maßnahmen aussehen
- Befundorientierte Analyse einer konkreten Alltagshandlung und gemeinsames Festlegen persönlicher Ziele
- Funktionelles, wiederholtes Üben von Bewegungen und Tätigkeiten auf passendem Anforderungsniveau
- Erarbeiten von Strategien für Transfers, Greifen, Selbstversorgung und den Umgang mit der betroffenen Seite
- Anleitung von Angehörigen sowie Beratung zu Hilfsmitteln, Sicherheit und Umweltanpassungen
Wichtige Einordnung
Eine Überlegenheit des Bobath-Konzepts gegenüber anderen Rehabilitationsansätzen ist nicht belegt. Entscheidend sind individuelle Ziele, Befund, aufgabenbezogenes Üben und die aktuelle fachliche Einordnung.
Fachquellen und weiterführende Informationen +
- Dohle C. et al.: Neurorehabilitation (2024), Bundesgesundheitsblatt / PMC ↗Ordnet das Bobath-Konzept als Ansatz mit verschiedenen neurophysiologischen und entwicklungsneurologischen Grundlagen ein, der keinem klaren Wirkprinzip zugeordnet werden kann und nicht als evidenzbasiert gilt; betont spezifisches Training sowie die Anpassung an Defizite und individuelle Wünsche.
- Kollen B.J. et al.: The Effectiveness of the Bobath Concept in Stroke Rehabilitation – Systematic Review, Stroke (2009) ↗Findet keine Evidenz für eine Überlegenheit des Bobath-Konzepts bei sensomotorischer Kontrolle, Geschicklichkeit, Mobilität, Aktivitäten des täglichen Lebens, Lebensqualität oder Kosten; empfiehlt evidenzbasierte Leitlinien als Rahmen.
- Immanuel Klinik Rüdersdorf: Bobath-Konzept ↗Beschreibt Bobath als multidisziplinären rehabilitativen Ansatz bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems und nennt beispielhaft Schlaganfall, Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Trauma und Multiple Sklerose; diese Anbieterbeschreibung wurde nicht als Wirksamkeitsbeleg verwendet.
Fachquellen erläutern Grundlagen und Evidenz. Kursanbieter beschreiben ihre Konzepte und Weiterbildungen; diese Beschreibungen sind keine Wirksamkeitsbelege.
