Ergotherapie – Antje BergHagenow · Wittenburg · Zarrentin · online

Fachratgeber

Handtherapie AfH

Schwerpunkte, geeignete Anliegen und mögliche Maßnahmen – verständlich eingeordnet und mit weiterführenden Quellen.

Was steckt dahinter?

Handtherapie betrachtet die Hand nicht isoliert, sondern als Teil der oberen Extremität und des gesamten Bewegungssystems – vom Schultergürtel über Ellenbogen und Unterarm bis zu Handgelenk und Fingern. Beschwerden können nach Verletzungen oder Operationen entstehen, aber auch mit Gelenken, Sehnen, Nerven, Rheuma, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen zusammenhängen.

In der Ergotherapie geht es deshalb nicht nur um Beweglichkeit und Kraft, sondern um sichere, möglichst selbstbestimmte Handlungen im Alltag, Beruf und in der Freizeit. Nach einer Befunderhebung können gemeinsam passende Ziele festgelegt werden.

Je nach Situation kommen Bewegungs- und Funktionstraining, Sensibilitätsarbeit, Narben- oder Ödemmanagement, Gelenkschutz, alltagsnahe Anpassungen und eine individuell angepasste Schiene infrage. Die Auswahl erfolgt vorsichtig und in Abstimmung mit der medizinischen Behandlung.

Die Weiterbildung der Akademie für Handrehabilitation (AfH) ergänzt diese Perspektive mit medizinischem Wissen und therapeutischen Fertigkeiten. Ich bin seit 2012 zertifizierte Handtherapeutin der AFH; meine Zusatzqualifikation zur Kompetenzpraxis ist noch in Weiterbildung.

Schienen und Bandagen: individuell angepasst ↗

Schwerpunkte des Konzeptes

  • Hand, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen und Schultergürtel als funktionell zusammenwirkende obere Extremität
  • Orthopädische und chirurgische Zusammenhänge, etwa Frakturen, Sehnen- oder Bandverletzungen und postoperative Nachbehandlung
  • Neurologische Bezüge wie periphere Nervenstörungen, Sensibilitätsveränderungen und Nervengleitübungen
  • Systemische Zusammenhänge, etwa rheumatische oder autoimmune Erkrankungen und Diabetes

Für wen kann das geeignet sein?

Die folgenden Beispiele dienen der Orientierung. Ob dieser Rahmen zu Ihnen passt, wird persönlich und unter Berücksichtigung der medizinischen Situation geklärt.

  • Bewegungs- oder Belastungseinschränkungen nach Verletzung oder Operation
  • Schmerzen, Schwellungen, Narben oder eingeschränkte Sensibilität
  • Frakturen, Sehnen- und Bandverletzungen sowie ausgewählte Nervenkompressionssyndrome
  • Arthrose, rheumatische oder autoimmune Erkrankungen mit Hand- oder Handgelenkbeteiligung
  • Neurologische Erkrankungen oder andere länger andauernde Beschwerden, die Handfunktion und Teilhabe beeinflussen

So können Maßnahmen aussehen

  • Befundung von Beweglichkeit, Griff- und Pinchkraft, Sensibilität, Schmerz und Ödem sowie alltags-, arbeits- und freizeitbezogener Funktion
  • Funktionelle Übungen und dosiertes Bewegungs- oder Belastungstraining nach Befund und medizinischer Vorgabe
  • Narben-, Ödem- und Sensibilitätsmanagement einschließlich Desensibilisierung oder sensorischer Schulung
  • Individuelle Schienen- und Orthesenversorgung sowie Anleitung zu Gelenkschutz, Aktivitätsanpassung und Hilfsmitteln
  • Alltags- und Arbeitsplatzberatung, Energiemanagement sowie sichere Eigenübungen im vereinbarten Rahmen

Wichtige Einordnung

Befund, Heilungsphase und ärztliche Vorgaben bestimmen die Therapie. Neue neurologische Ausfälle, starke Schwellung oder deutliche Verschlechterungen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Ein Zertifikat ist kein Versprechen eines bestimmten Ergebnisses.

Fachquellen und weiterführende Informationen +
  1. Akademie für Handrehabilitation (AfH): Zertifizierte Handtherapie der AFH ↗Anbieterangaben zu Zugangsvoraussetzungen, 288 Unterrichtseinheiten in 18 Modulen, Prüfung/Abschlussbezeichnung sowie genannten Inhalten wie Schienenbau, Narbenbehandlung, Schmerzmanagement und funktionelle Übungen; kein Wirksamkeitsbeleg.
  2. Deutscher Verband Ergotherapie (DVE): Begriffsbestimmung Ergotherapie ↗Ergotherapie unterstützt bedeutungsvolle Betätigung, selbstbestimmte Alltagsgestaltung und gesellschaftliche Teilhabe; Grundlage für den alltagsbezogenen Text.
  3. American Society of Hand Therapists (ASHT): What We Do ↗Beschreibt Handtherapie als Rehabilitation der oberen Extremität und nennt traumatische, orthopädische, periphere neurologische, autoimmune und weitere systemische Zusammenhänge sowie mögliche Maßnahmen wie Übungen, Orthesen, Narbenmanagement, Sensibilitätsarbeit und Gelenkschutz.
  4. American Society of Hand Therapists (ASHT): Clinical Assessment Recommendations ↗Belegt systematische Befundung und die Einbeziehung von Alltags-, Arbeits- und Freizeitfunktion sowie Messungen von Ödem, Griff, Pinch, Schmerz, Beweglichkeit und Sensibilität.
  5. American College of Rheumatology Guideline for the Treatment of Rheumatoid Arthritis ↗Bei Handbeteiligung werden Handtherapieübungen sowie bei Hand-/Handgelenkbeteiligung Schienen, Orthesen oder Kompression nur bedingt empfohlen; Evidenz überwiegend niedrig bis sehr niedrig und Anpassung durch erfahrene Therapeut:innen wichtig.
  6. Universitätsspital Zürich: Sulcus-ulnaris-Syndrom – Behandlung ↗Klinikquelle nennt Nervengleitübungen in der Handtherapie im konservativen und postoperativen Behandlungskontext.
  7. Deutsche Rheuma-Liga: Ergotherapie bei Rheuma – was können Ergotherapeuten leisten? ↗Patientennahe Fachinformation zu Aufklärung, Gelenkschutz, Alltagstraining, Narbenbehandlung, Schienen/Hilfsmitteln sowie Schmerz-, Kälte- und Wärmeberatung bei rheumatischen Erkrankungen.

Fachquellen erläutern Grundlagen und Evidenz. Kursanbieter beschreiben ihre Konzepte und Weiterbildungen; diese Beschreibungen sind keine Wirksamkeitsbelege.

Was ist Ihnen im Alltag wichtig?Die Texte ersetzen keine individuelle Untersuchung oder ärztliche Beratung.Anliegen besprechen ↗