Was steckt dahinter?
Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen können Selbstversorgung, Bewegung, Konzentration, Schlaf, Freizeit und Schulbesuch beeinträchtigen. Ergotherapeutisch schauen wir gemeinsam mit Kind und Familie, welche konkreten Betätigungen wichtig sind und wodurch sie erschwert werden.
Daraus entstehen individuelle Funktions- und Alltagsziele, zum Beispiel eine schrittweise Rückkehr in den Unterricht, mehr Selbstständigkeit bei Morgenroutine und Körperpflege oder die Wiederaufnahme von Spiel und sozialen Aktivitäten. Mögliche Schwerpunkte sind altersgerechte Schmerzaufklärung, Aktivitäts- und Pausenplanung, alltagsnahes Üben, Umgang mit Reizempfindlichkeit sowie der Aufbau verlässlicher Routinen.
Die Schritte werden mit dem Kind abgestimmt und – sofern sinnvoll und einvernehmlich – mit Angehörigen, Schule und dem interdisziplinären Behandlungsteam koordiniert. Im Mittelpunkt steht die Teilhabe an altersgemäßen Aktivitäten.
Schwerpunkte des Konzeptes
- Altersgerechte Aufklärung und gemeinsame Zielplanung
- Funktions- und Alltagsziele in Selbstversorgung, Bewegung, Spiel und Freizeit
- Schrittweiser Wiedereinstieg in Schule, Lernen und soziale Aktivitäten
- Angehörigenarbeit sowie Abstimmung mit Schule und interdisziplinärem Team
Für wen kann das geeignet sein?
Die folgenden Beispiele dienen der Orientierung. Ob dieser Rahmen zu Ihnen passt, wird persönlich und unter Berücksichtigung der medizinischen Situation geklärt.
- Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen mit Einschränkungen in Alltag, Selbstversorgung oder Freizeit
- Schwieriger Schulbesuch, häufige Fehlzeiten oder Probleme bei Konzentration und Belastbarkeit
- Vermeidung von Bewegung, Spiel, sozialen Aktivitäten oder altersgemäßen Rollen
- Belastete Tagesstruktur und Unterstützungsbedarf der Familie im Umgang mit Schmerz und Aktivität
So können Maßnahmen aussehen
- Kindgerechte Erklärung von Schmerz, Aktivität und individuellen Einflussfaktoren ohne Schuldzuweisung
- Ergotherapeutische Befunderhebung zu Betätigungen, Routinen, Umwelt und Teilhabe gemeinsam mit Kind und Angehörigen
- Schrittweises, individuell dosiertes Üben von Selbstversorgung, Bewegung, Spiel, Freizeit und schulnahen Anforderungen
- Planung von Tagesstruktur, Aktivitätswechseln und Pausen sowie Erprobung alltagstauglicher Bewältigungsstrategien
- Abstimmung mit Angehörigen, Schule und beteiligten Fachpersonen; Weiterleitung zur ärztlichen oder spezialisierten Schmerzabklärung bei Bedarf
Wichtige Einordnung
Beschwerden von Kindern werden ernst genommen. Eignung und Belastungsdosierung werden mit dem Kind, den Angehörigen und bei Bedarf dem Behandlungsteam abgestimmt.
Komplexe Verläufe benötigen spezialisierte interdisziplinäre Versorgung. Es werden keine Medikamentenempfehlungen gegeben.
Fachquellen und weiterführende Informationen +
- Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.: Intensive Schmerztherapie bei Kindern – neue Leitlinie ↗Fachverbandsmeldung zur S2k-Leitlinie: Primäres Ziel ist die Verringerung schmerzbedingter Beeinträchtigung und die aktive Teilhabe; Schulbesuch und Sport sollen wieder möglich werden; empfohlen wird ein interprofessionelles, pädiatrisch geschultes Team, das emotionale und entwicklungsbezogene Bedürfnisse berücksichtigt.
- Deutsches Ärzteblatt: Neue Leitlinie zur Behandlung von Kindern mit chronischen Schmerzen ↗Bericht zur Leitlinie: multidimensionales Schmerzassessment, altersgerechte Betreuung und als Behandlungsziele die Rückkehr zu Alltag, Schule und sportlichen Aktivitäten.
- Deutsches Kinderschmerzzentrum: Wie kann ich meinem Kind helfen? ↗Elterninformation: Schmerzen ernst nehmen, zugleich einen möglichst normalen Alltag unterstützen; bei der Zumutbarkeit von Aktivitäten Rücksprache mit behandelnden Ärzt:innen oder Schmerztherapeut:innen halten.
- The Role of Occupational Therapy in Intensive Interdisciplinary Pain Treatment ↗Fachbeitrag des Boston Children’s Hospital: Ergotherapie fokussiert funktionelle Teilhabe und bedeutungsvolle Betätigungen, individuelle Ziele, Alltagsaktivitäten, Routinen, Schule, graduelle Wiedereingliederung sowie Zusammenarbeit mit Familie und interdisziplinärem Team; als fachliche Anbieterbeschreibung nicht alleiniger Wirksamkeitsbeleg.
Fachquellen erläutern Grundlagen und Evidenz. Kursanbieter beschreiben ihre Konzepte und Weiterbildungen; diese Beschreibungen sind keine Wirksamkeitsbelege.
