Ergotherapie – Antje BergHagenow · Wittenburg · Zarrentin · online

Fachratgeber

Neurozentriertes Training und Neuroathletik

Schwerpunkte, geeignete Anliegen und mögliche Maßnahmen – verständlich eingeordnet und mit weiterführenden Quellen.

Was steckt dahinter?

Im Mittelpunkt stehen drei miteinander verbundene Informationsquellen: visuelle Orientierung, das Gleichgewichtssystem und die Wahrnehmung von Gelenkstellung und Bewegung. Daraus entstehen Übungen, die etwa Blickführung, Gewichtsverlagerung, Kopf- und Körperbewegungen oder das sichere Reagieren auf Veränderungen verbinden.

Geeignet kann ein solches ergänzendes Vorgehen sein bei Unsicherheit beim Gehen, Schwierigkeiten mit Gleichgewicht und Koordination, veränderter Körperwahrnehmung oder nach neurologischen Ereignissen – immer individuell abgestimmt und gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Wir übertragen die Aufgaben in konkrete Alltagssituationen, etwa Anziehen, Treppen, Wege außer Haus oder Greifen im Stehen.

Eine Verbesserung kann nicht garantiert werden; Augenübungen sind weder Diagnostik noch Beweis für eine bestimmte Ursache.

Schwerpunkte des Konzeptes

  • Visuelle Orientierung und Blickführung in Verbindung mit Bewegung
  • Gleichgewicht, Gewichtsverlagerung und sichere Reaktionen
  • Körperwahrnehmung, Gelenkstellung und Bewegungsplanung
  • Übertragung sensomotorischer Aufgaben in Alltag und Teilhabe

Für wen kann das geeignet sein?

Die folgenden Beispiele dienen der Orientierung. Ob dieser Rahmen zu Ihnen passt, wird persönlich und unter Berücksichtigung der medizinischen Situation geklärt.

  • Unsicherheit beim Stehen, Gehen oder bei Richtungswechseln
  • Koordinations- oder Orientierungsprobleme in Alltagssituationen
  • Veränderte Körperwahrnehmung oder Schwierigkeiten bei Bewegungsplanung
  • Ergotherapeutischer Unterstützungsbedarf nach neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen, sofern individuell indiziert
  • Wunsch nach alltagsnahem Training von Sicherheit und Bewegungsqualität

So können Maßnahmen aussehen

  • Dosierte Blick-, Kopf- und Körperbewegungen mit sicherer Ausgangsposition
  • Übungen zu Gewichtsverlagerung, Stand- und Gangvariationen sowie Reaktionen auf visuelle oder taktile Reize
  • Aufgaben zur Wahrnehmung von Gelenkstellung, Druck und Bewegung ohne schmerzhafte Überforderung
  • Funktionelles Training für Anziehen, Aufstehen, Treppen, Greifen und Wege im häuslichen oder öffentlichen Umfeld
  • Regelmäßige Rückmeldung und Anpassung von Schwierigkeit, Pausen und Hilfsmitteln an Befund und Alltag

Wichtige Einordnung

Die spezielle Neuroathletik ist bislang nur begrenzt untersucht. Eine kleine Pilotstudie nach Schlaganfall zeigte keinen Vorteil gegenüber regulärer Bewegungstherapie.

Augenübungen sind keine Diagnostik. Bei Doppelbildern, Schwindel oder neuen neurologischen Symptomen brechen Sie ab und lassen die Beschwerden ärztlich abklären.

Fachquellen und weiterführende Informationen +
  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie Rehabilitation sensomotorischer Störungen (AWMF 030/123) ↗Die Leitlinie beschreibt Neuroplastizität und betont eine individuell indizierte, multiprofessionelle Rehabilitation, die sensomotorische Funktionen mit Aktivitäten, Teilhabe, Alltagstraining und einem Versorgungskontinuum verbindet; sie belegt nicht die Überlegenheit von Neuroathletik.
  2. Evers J, Stolz I, Klein M et al.: Neuroathletic training in stroke rehabilitation? A single-blind randomized controlled pilot study (BMC Research Notes, 2024) ↗Monozentrische, einfach verblindete randomisierte Pilotstudie mit n=19: Beide Gruppen verbesserten ihr Gleichgewicht, zusätzliches Neuroathletiktraining war der regulären Bewegungstherapie nicht signifikant überlegen; kleine Stichprobe, kurze Intervention und weiterer Forschungsbedarf begrenzen die Aussage.
  3. Deutscher Turner-Bund: Ratgeber Neurozentriertes Training ↗Beschreibt aus Anbieterperspektive das Input-Interpretation-Output-Modell, visuelle/vestibuläre/propriozeptive Übungsbeispiele und DTB-Weiterbildungen. Die werblichen Aussagen und Kursangebote wurden nur zur Beschreibung des Ansatzes genutzt, nicht als Wirksamkeits- oder Qualifikationsbeleg.

Fachquellen erläutern Grundlagen und Evidenz. Kursanbieter beschreiben ihre Konzepte und Weiterbildungen; diese Beschreibungen sind keine Wirksamkeitsbelege.

Was ist Ihnen im Alltag wichtig?Die Texte ersetzen keine individuelle Untersuchung oder ärztliche Beratung.Anliegen besprechen ↗